Rockharz 2019: Vom Todesblei zum Monsterman (Teil 1)

Das Rockharz ist kein Sprinter, es ist eher ein Langstreckenläufer: Es läuft und läuft. Seit Jahren schon steht das Konzept und das Festival wirkt rund und durchdacht. Jedes Jahr wird jedoch Feinjustage betrieben, hier und da ein wenig verändert und meist verbessert. Der stete Zuspruch des Publikums schlägt sich in den Jahr für Jahr wachsenden Besucherzahlen nieder. Waren es letztes Jahr laut Meldungen der Presse um die 17.000 zahlende Festivalgänger, so wurde in diesem Jahr die Marke von 20.000 geknackt. Bei nahezu gleich großem Camping-Gelände wie im Vorjahr scheint die im Vorfeld von den Veranstaltern angekündigte striktere Einweisung für eine bessere Platzausnutzung durchaus geholfen zu haben. Große Flächenreservierungen für die „20 Freunde, die später noch kommen“, wurden in diesem Jahr anscheinend ausgeschlossen. Doch das soll hier kein Camping-Guide werden, sondern ein Festivalbericht. Hier geht es um ein Metal-Festival (und Artverwandtes), der Besucher erwartet von E-Gitarren und Schlagzeug erschaffene Lautstärke, jede Menge kaltes Bier und viel Staub. Und all das konnte das Rockharz, das seit nunmehr 11 Jahren auf dem Verkehrslandeplatz „An den Gegensteinen“ stattfindet (ICAO-Code: EDCB, wen’s interessiert), reichlich bieten.

Ehe ich es vergesse, müssen noch schnell die üblichen Vokabeln und Buzzworte für einen ernsthaften Metal-Konzert-Bericht untergebracht werden: Amtlich, Nackenbrecher, dickes Brett, Pommesgabel, Todesmetall, ballern, schwermetallisch, Gerstenkaltschale, Stromgitarrenmusik, Abrisskommando, Kauleiste, Todesblei, Nackenkreisen, isotonisches Kaltgetränk auf Hopfenbasis.

So, weiter im Text. Nach der 25. Ausgabe im letzten Jahr war eigentlich keine Steigerung mehr erwartet worden. Doch wer so denkt (ich) kennt die Rockharz-Crew nicht (stimmt). Mit einem noch größeren Biergarten, einem eigenen Eingang für Tagesgäste samt Laufwegverkürzung vom Parkplatz zum Infield und das endlich nach vielen Jahren des Besucherfeedbacks eingeführte Warteschlangen-Management am bisher völlig chaotischen Merch-Stand wurden doch noch einige Stellschrauben gefunden, an denen erfolgreich gedreht wurde, um das Rockharz noch ein klein wenig runder zu machen. Für Festivalbesucher, die besonders hoch hinaus wollten und denen folglich die Kletterei auf die Teufelsmauer nicht genügte, gab es nun Hubschrauberrundflüge über das Festivalgelände. Der Pilot war recht gut ausgebucht … Die coole „HarzForce One“ (eine ausgemusterte Transall), die im letzten Jahr den Eingangsbereich ins Infield spektakulär beherrschte, ist übrigens mittlerweile im Luftfahrtmuseum Wernigerode angekommen.

Mittwoch

Los gings am Mittwoch mit dem WarmUp-Tag, sechs Bands auf einer Bühne. Na gut, eigentlich geht es mittlerweile am Dienstag los, denn das ist seit einigen Jahren der erste Anreisetag, aber hier geht’s um die Musik. Festival Opener sind die Newcomer von From North. Wobei … so new sind sie nun auch nicht mehr, schließlich datiert ihr Debütalbum auf 2016. Das Publikum hat Bock auf Musik und so spielen die Schweden nicht vor leerer Bühne, sondern vor einer recht ansehnlichen Menge. Nach einigen Songs fängt sich dann auch der Sound, der anfangs noch etwas Probleme machte. Die eingängige Mischung aus Folk und Viking funktioniert ja auch bei anderen Bands und so werden From North angemessen bejubelt.

Die Brothers of Metal haben auch eine Sister in ihre Reihen aufgenommen und lassen sie auch gleich ans Mikro, wo sie im Duett mit den beiden Sängern Joakim und Mats die Vocal-Fraktion bildet. Die Band kommt zwar aus Birka in Schweden (Wikinger-Fans kennen den Namen im Zusammenhang mit der mittelalterlichen Handelsstadt der Wikingerzeit), aber trotz jeder Menge Fell an den Bühnenkostümen wird kein Viking-Metal geschmettert, sondern es geht vielmehr eher in die manowareske True-Metal-Richtung. Aber dann werden doch jede Menge nordisch-mythologische Themen rund um Odin, Sleipnir und Yggdrasil abgehandelt. Die Leute freuts, Die Menge vergrößert sich stetig, Methörner kreisen, Fäuste wollen im Takt gereckt werden.

Vader aus Polen müssen nichts mehr beweisen, sie sind alte Hasen und gehören zur Speerspitze des polnischen Death Metal. Die Band funktioniert wunderbar auf dem Rockharz, obwohl ja in der Mehrzahl eher die nicht ganz so harten Acts hier typisch sind. Aber das Publikum ist zahlreich und begeistert. Dass sie ein paar ihrer bekannten Klassiker wie Black To The Blind und Incarnation zum Besten gaben, half sicher. Hinterher noch ein De Profundis und das Judas-Priest-Cover Steeler geschickt und alles ist in trockenen Tüchern.

Hoppla, starker Genre-Schwenk mit Combichrist. Auf dem Rockharz treten ja jedes Jahr auch einige Bands auf, die man eher mit dem Gothic-Umfeld in Verbindung bringt. Combichrist ist eine davon. Doch trotz eher Keyboard-lastigem Sound statt Gitarrenmucke ist das Publikum weiter in Stimmung. Aggrotech läuft also auch auf dem Rockharz. Aber Combichrist ist ja auch nicht jeder. Songs wie This Shit Will Fuck You Up, Hate Like Me und What The Fuck Is Wrong With You? Finden genug Mitwipper und -klatscher im Publikum. Andy LaPlegua beherrscht die Bühne und hinter ihm duellieren sich die beiden Drummer der Band.

Danach geht es spaßig weiter. Mit J.B.O. kommen Stammgäste des Rockharz an die Reihe. Sie reißen routiniert ihre Show runter und werden vom am ersten Tag noch frischen und partyhungrigen Publikum abgefeiert. Vom aktuellen Album werden Wer lässt die Sau raus? und Hoffen und Bangen (Titeltrack) gespielt. Ansonsten natürlich die bekannten Mitgröl-Songs, von denen die Franken bergeweise im Portfolio haben. Ihr 30-jähriges Jubiläum kann die Band darum beim Rockharz angemessen feiern. Unter anderem nahm die Crowdsurferdichte bei J.B.O. rasant zu.

Weiter geht’s mit den Drei-Buchstaben-Bands. U.D.O. is in Town! Seine Band hat Udo Dirkschneider mit neuen Mitgliedern verjüngt, bei sich selbst klappt das zwar nicht, aber solange er seine Songs wie immer mit seiner markanten Reibeisenstimme ins Mikro schmettert, besteht dazu auch kein zwingender Bedarf. Klassiker wie 24/7, In The Darkness, Vendetta, Mastercutor oder Animal House wechselten sich mit frischem Material (Rising High) ab. Ein Auftritt für alle, die auch schon vor 20 oder 30 Jahren der musikalisch härteren Gangart verfallen waren und mal wieder in alten Zeiten schwelgen wollen. Ein schöner Abschluss des Abends.

Donnerstag

Jetzt geht’s aber richtig los. Ab mittags geben sich auf beiden Bühnen die Bands das Mikro in die Hand. Den Anfang machen Bloodred Hourglass. Der Melodic Death der Finnen holt die ersten Neugierigen vor die Bühne und weckt vielleicht noch den einen oder anderen sanft im Zeltlager. Das Quintett meistert den undankbaren Slot des Openers jedenfalls souverän, indem sie mit ein paar Songs ihres diesjährigen Albums Godsend werben.

Finnischer Doppelpack: Es folgen gleich noch Stam1na. Sie sind mit ihrem mittlerweile achtem Album Taival auf Tour. Da sie finnisch singen, ist das Mitgröl-Potential der Prog-Thrasher in hiesigen Breiten eher begrenzt. Der guten Laune des Publikums im hoffnungsvollen Morgengrauen des ersten richtigen Festivaltages tut das jedoch nicht im Geringsten Abbruch.

Endgültig geweckt wird dann mit ein paar feschen Brasilianerinnen. Nein, es gibt keinen Lambada, sondern wunderbar aggressiven Thrash Metal auf die Ohren. (Mhm … Auf die Ohren wäre auch für den Buzzwort-Satz gut gewesen, schade drum.) Bei hasserfüllt ins Mikro gekreischten und gekeiften Songs wie Hostages, Intolerance Means War oder Into Moshpit (natürlich mit Moshpit) bleibt kein Zuhörer still stehen. Viel zu schnell ist der Auftritt der Oldschool-Thrasherinnen leider schon wieder vorbei.

Mit den Gothic-Rockern von Lacrimas Profundere findet ein krasser Stilwechsel statt. Vielleicht ist es auch dem frühen Nachmittag geschuldet, dass nicht allzu viel los ist vor der Bühne. Sänger Julian Larre gibt jedoch professionell einen Song nach dem anderen zum Besten, steigt sogar in den Bühnengraben, um mit den Fans in der ersten Reihe in Kontakt zu treten. Und auf der Bühne immer dabei: Die für’s Genre angemessene Theatralik in der Attitüde. Neben älteren Songs wie Again It’s Over oder Ave End stehen natürlich auch aktuelle auf der Setlist. Mit Father Of Fate wird sogar ein neuer Song vom noch nicht veröffentlichten nächsten Album gespielt. Guter Auftritt, trotzdem: Nur wenige Zuschauer vergießen Tränen (ha! Was für ein Wortspiel mit dem Bandnamen), als die Band von der Bühne abtritt.

The Unguided bringen allerdings auch nicht allzu viel Härte und Düsternis auf die Bühne. Melodeath mit Coreeinschlag steht auf dem Speiseplan. Richard Sjunnessons ausgerechnet im Schritt zerissene Hose gehört wohl auch zu den Zutaten. Die Band ist eingespielt und seit Jahren zusammen unterwegs, so dass die Show routiniert aber mit Freude am Auftritt durchgezogen wird. Die Songs kommen sauber und vom Publikum heiß erwartet aus den Boxen. Ein Circle Pit ist dann auch drin.

Und wieder ein Kontrast: Van Canto verzichten auf Instrumente (na gut, bis auf ein Schlagzeug). Stattdessen wird der Metal-Sound alleine von den Sängern mit ihren Stimmen imitiert. Die Band gibt einige Klassiker (Metallica, AC/DC) zum besten sowie Eigenkompositionen. Das Konzept der A-Cappella-Metal-Band ist so einzigartig, dass sich Van Canto wohl schon bis in jede Ecke rumgesprochen hat. Fünf Sänger, eine Sängerin, cleane Vocals und jede Menge tiefe und hohe Stimmen, die den Klang von E-Gitarren imitierte. Das ergibt schon einen einzigartigen Sound, den man mal gehört und gesehen haben muss.

Die ungewöhnlichen Bands geben sich heute die Klinke in die Hand. Es folgt: Coppelius, die ihre Musik selbst als Heavy Wood bezeichnen, denn schließlich nutzen sie Holzblasinstrumente und Seiteninstrumente wie Cello und Kontrabass für ihre Mischung aus Rock und Metal. Die Band ist mittlerweile zum fünften Mal auf dem Rockharz, zuletzt 2016 zur Abschiedstour. Zum Glück für die Fans hat das mit dem Abschied nicht allzu lange gedauert und auch das Rockharz beehren sie nach drei Jahren erneut. Das Intro aus Tschaikowskis Nussknacker-Suite ist jedem bekannt und schon geht die Show auch los, in der die Musiker auf der Bühne wild umher wirbeln und es immer nicht nur etwas zu hören sondern auch zu gucken gibt. Auf beliebte Songs wie Operation, To my Creator oder Risiko freuen sich die zahlreichen Fans. Die restliche Menge, wohl dem Mal-gucken-was-das-ist-Publikum zuzurechnen, wird ebenfalls gut unterhalten.

Auch die folgenden Feuerschwanz sind alte Bekannte auf dem Rockharz und stehen ebenfalls zum fünften Male hier auf der Bühne. Die metgeschwängerte Mittelalter-Folk-Comedy der bunten Truppe hat jede Menge Fans, wie der gut gefüllte Bereich vor der Rock Stage zeigt. Als Band, die ordentlich Feierstimmung verbreitet, ist sie auf dem Rockharz gut aufgehoben. Zumal in diesem Jahr die üblichen Verdächtigen dieser Kategorie – wie Gloryhammer, Alestorm oder Grailknights – fehlen. Bei jeder Menge Bespaßung mit Schubsetanz (Wall of Death) und anderen Publikumsanimationen sind alle, die im Infield zugegen sind, gut unterhalten.

Jetzt endlich, nach fünfsoften Bands wird es wieder richtig hart. Overkill geben sich die Ehre und fegen alles hinfort, was sich den Nachmittag über vor den Zwillingsbühnen angesammelt hat. Die Thrasher um Bobby Elsworth fegen mit eisernem Besen. Und da sie das nun seit fast 40 Jahren tun, haben sie auch große Übung darin. Mit Last Man Standing vom brandaktuellen Album The Wings of War beginnen die New Yorker, um mit Electric Rattlesnake, Hello From the Gutter und Elimination immer tiefer in ihre Klassiker bis in die 80erjahre hinabzusteigen. Nach elf Songs ist Schluss und der Circle Pit kommt auch endlich wieder erschöpft zum Stehen.

Mehr Extreme Metal will man dem Rockharz-Besucher jetzt nicht auf einmal zumuten und so kommt mit Lordi wohl eine der Bands auf die Bühne, die viele sicher allein wegen dem Gesamtpaket aus einmaligen Monster-Kostümen und Live-Show schon heiß erwartet haben. Mit ihrem letzten Album Sexorcism von 2018 touren die Finnen schon seit einer Weile durch die Welt. Nach dem Titeltrack fragen sie Would You Love a Monsterman? Und berichten davon, wie es Naked in My Cellar ist. Moment mal, also nicht in meinem Keller, sondern vermutlich in dem von Frontmann Mr. Lordi. Mit Hug You Hardcore zeigen sie, dass sie im Grunde ganz liebe sind und am Ende darf natürlich ihr ESC-Überhit Hard Rock Hallelujah nicht fehlen. Tolle Show, definitiv ein Hingucker.

Weiter geht es mit Neuer Deutscher Härte mit Groove-Einschlag. Die vier Himmelrichtungen von Hämatom entern die Bühne und Sänger Nord freut sich diabolisch, die wogende Menge im Infield zu sehen. Und los geht es mit Zeit für neue Hymnen. Das Zuschauermeer wogt und in der Menge gibt es kein Halten mehr. Hier sind tausende Fans zusammen gekommen. Neben bekannten Songs wie Eva oder Alte Liebe rostet nicht darf dann auch nicht Maskenball, der Titeltrack des kommenden Albums fehlen. Höhepunkt dürfte das Crowdsurfing von Schlagzeuger Süd sein, der sitzend auf einer Art Surfbrett mitsamt aufs Nötigste reduziertem Schlagzeug trommelnderweise von ganz hinten bis an die Bühne von den Fans nach vorne durchgereicht wird. Was für ein grandioser Einfall!

Und wieder Finnland! Wintersun lassen sich wahrlich nicht lumpen. Auf Jubiläumstour zum 15jährigen Bandbestehen unterwegs, führen sie ihr selbstbetiteltes Erstlingswerk komplett auf. Das erlebt man nicht alle Tage. Und Mastermind Jari Mäenpää ist in großartiger Laune, die sich geschwind auf das Publikum überträgt – sofern da wirklich noch einer mit Stimmungshänger drin gewesen ist. Im Debut-Album sind die in den späteren Werken so umfassend vorhandenen instrumentalen Zwischenspiele und überspannten Melodiebögen noch nicht in dem Übermaß vorhanden, so dass die Songs etwas Stadiontauglicher sind. Allerdings folgt eine Album-Show nicht dem Beliebtheitsgrad einzelner Songs, sondern der vom Künstler so vorgesehenen Reihenfolge auf dem Tonträger (oder neumodisch: im mp3-Archiv), so dass sich die Show nicht live-typisch dem Höhepunkt entgegenarbeiten kann, der schon irgendwann in der Mitte des Sets mit dem epischen Death and the Healing erreicht ist. Doch die Rockharz-Besucher feiern die gesamte Show. Am Ende bedankt sich die Band noch minutenlang begeistert beim ebenso begeisterten Publikum.

Genug geschwärmt. Jetzt wird gekreischt mit dem Großmeister des Screamings. Nein, gemeint ist nicht Janet Leigh unter der Dusche in Psycho, sondern Dani Filth mitsamt seinem Hauptprojekt Cradle of Filth. Der Mix aus symphonischem Black Metal und gewissem Dark-Metal-Einschlag hat im Lauf der letzten zwanzig Jahre sehr viele Fans gewonnen. Also kein Wunder, dass wir hier den Co-Headliner des Tages vor uns haben. Mit Death And The Healing, Thirteen Autumns And A Widow oder Cruelty Brought Thee Orchids wird dann auch gleich eine brachiale Show umrahmt vom üblichen blau-grünen Licht, viel Headbangen und Kreischen geboten. Mit Nymphetamine und Her Ghost In The Fog kommen nach einer Stunde Höhepunkt und Abschluss des Auftritts. Hier wurden auch im Publikum wieder im Takt die Köpfe geschüttert oder energisch genickt.

Mit Amon Amarth ist es dann Zeit für den großen Headliner des Donnerstags auf der Bühne. Das Infield ist brechend voll. Selbst der Tagesparkplatz platzt aus allen Nähten. Jeder will den Auftritt von Amon Amarth sehen. Das Quinett aus Schweden liefert wie bestellt! Professionelle Show mit mächtig viel Pyro, wie man es gewohnt ist. Die Recken um Sänger Johan Hegg liefern vor allem Songs aus den letzten Jahren ihrer mittlerweile 27 Jahre umfassenden Bandgeschichte mit Schwerpunkt auf ihrem aktuellen, im Mai 2019 veröffentlichten, Album. Daraus spielten sie immerhin vier Songs, die neben den vielen anderen aus ihren bisherigen  elf Studioalben noch irgendwie mit in die Setlist passen müssen: Fafner’s Gold, Crack the Sky, Shield Wall, Raven’s Flight. Das Bühnenbild ist im Gegensatz zu dem von vor ein paar Jahren wieder etwas zurückgefahren und strahlt weniger Wikinger-Bombast aus, auch wenn dann eine Schaukampf-Einlage doch nicht fehlen darf, die Bühnenshow selbst hingegen punktet weiterhin mit typischen Amon-Amarth-Tugenden. Johan Hegg bedankt sich sogar artig dafür (und zwar auf deutsch), dass das Album Berserker die Spitze der deutschen Charts erreicht hat. Das Rockharz-Publikum freut sich und feiert, singt oder grölt zufrieden alle Songs mit, bis Amon Amarth nach 75 Minuten die Bühne wieder verlässt.

Joachim Witt ist von deutschen Bühnen auch nicht wegzudenken. Alle paar Jahre erfindet er sich neu und tourt dann mit einem neuen Album im Gepäck über die Festivals dieser Republik. Seine Zeiten als Goldener Reiter dürften große Teile des Rockharz-Publikums nur aus Erzählungen ihrer Eltern kennen. Mit Sprüchen wie „Habt ihr euch auf mich gefreut? Ich habe mich auf mich gefreut!“ oder „Ich mag keine Besoffenen. Der einzig Besoffene darf hier oben sein, wo ich stehe!“ und anderen dieses Kalibers bleibt der Auftritt mindestens wegen brachial-ironischer Ansagen in Erinnerung. Dabei bietet das aktuelle Album Rübezahl auch einige tolle Songs. Herr Der Berge oder Agonie zum Beispiel. Am Ende dürfen dann aber doch die größten Hits wie Die Flut und Der goldene Reiter nicht fehlen.

Und damit war auch schon Tag zwei vorbei. Mehr gibt es in Teil 2 des großen Rockharz-Berichts.