Das war das 25. Rockharz Open Air

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Das Rockharz in Ballenstedt am Fuße des Harzes hat sich spätestens im letzten Jahrzehnt aus den Schatten der großen Festivals herausgearbeitet und ist mittlerweile selbst zu einem der bekanntesten und beliebtesten Groß-Festivals geworden. Und 2018 wurde ein besonderes Jubiläum gefeiert: 25 Jahre Rockharz. In der Festival-Landschaft, die immer in Bewegung ist und in der die Besucher schon viele Festivals haben kommen und leider auch wieder gehen sehen, ist eine Konstanz über ein Vierteljahrhundert eine Art Ritterschlag, zeigt es doch, dass die Macher es immer verstanden haben, den Geschmack des Publikums zu bedienen und mit einer professionellen Planung und Durchführung auch alle finanziellen Unwägbarkeiten erfolgreich umschifft oder überstanden zu haben.  Das ist eine Leistung, für die man der über 200-köpfigen Crew nur gratulieren kann.

Monument (©Stefan Bollmann)

Auch 2018 wurde das bewährte Konzept der Zwillingsbühnen fortgesetzt. Umbaupausen sind so minimal, da immer zwischen den Bühnen hin- und hergewechselt wird. Leerlauf kommt dadurch nicht auf und den Besuchern wird quasi ständig Musik geboten. Andere Festival brauchen dafür drei oder vier Bühnen, die dann unter Umständen auch noch weit voneinander entfernt sind. Nicht so beim Rockharz. Dreißig Meter nach links gelaufen und schon spielt in wenigen Minuten die nächste Band. Herrlich unkompliziert. Wenn man sie die Line-Ups der letzten Jahre anschaut, wird man feststellen, dass recht viele Bands immer wieder am Fuße der Teufelsmauer aufschlagen. Das ist nicht etwa der Einfallslosigkeit der Veranstalter geschuldet, sondern entspricht den Wünschen der Festivalbesucher. Es gibt Publikumslieblinge, die viele hier immer wieder sehen möchten, weil sie einfach tolle Shows abliefern und damit dazu beitragen, das Rockharz zu einer großen Party werden zu lassen. Experimente mit genremäßig eher ungewöhnlichen Bands gab es auch in früheren Jahren, doch dort hielt sich das Zuschauerinteresse meist in Grenzen. Wer zum Beispiel die ganz harte Extrem-Metal-Schiene möchte, sollte sich eher bei entsprechenden Genre-Festivals wie dem Party.San oder kleineren Veranstaltungen (Dark Troll: Black und Pagan Metal, Rock unter den Eichen: Death und Thrash) umschauen, die ja auch in der Region stattfinden. Das Rockharz ist eher für seine massenkompatible Stromgitarrenmusik beliebt. Das Konzept geht ja auch auf, denn trotz Wachstum in fast jedem Jahr auf mittlerweile offiziell 17.000 Gäste auf dem Campingground und zusätzlich bis zu 5000 Tagesgästen ist das Rockharz seit einigen Jahren schon Wochen vor Veranstaltungsbeginn ausverkauft. Es läuft also.

Harz Force One (©Stefan Bollmann)

Großartig in diesem Jahr der Eingangsbereich. Unter den schattenspendenden Tragflächen einer auf dem Verkehrslandeplatz Ballenstedt gestrandeten Transall führt der Weg ins Infield vor den Bühnen. Schatten ist auch dringend nötig, denn von einem wolkenlosen Himmel ballert die Sonne gnadenlos die Salven ihrer heißen Strahlen. Das Flugzeug soll seinen Zielort später im Luftfahrtmuseum Wernigerode finden, bisweilen ließ sich einfach die Gunst der Stunde für einen wirklich einmaligen Aufbau nutzen. Ein echter Hingucker, die Harz Force One! Letztendlich geht’s aber bei einem Festival um Musik, deswegen hinein ins Getümmel.

Mittwoch

Drone (©Stefan Bollmann)

Der Warm-Up-Mittwoch des Rockharz entwickelt sich auch immer mehr zu einem vollwertigen Festivaltag. Das macht auch Sinn, denn seit dem legendären Stau-Festival vor einigen Jahren wurde der Dienstag als alternativer Anreisetag etabliert, um die Besucherströme bei der Anreise zu entzerren. Mit Erfolg. Ergebnis ist aber auch, dass am Mittwochnachmittag schon sehr viele Besucher anwesend sind und dementsprechend auch unterhalten werden wollen.  Zwar wird an diesem Tag nur eine der beiden Bühnen bespielt, aber zum 25jährigen leistet sich das Rockharz als ersten Headliner die deutsche Legende Kreator. Doch wir wollen nicht vorgreifen. Mit den Briten von Monument wagt sich die allererste Band der diesjährigen Ausgabe auf die Bühne. Das Publikum anzuheizen, gelingt den Mannen um Sänger Dan Boune mit ihrer Mischung aus Heavy und Progressive Metal dann auch sehr gut. Und schon bei der zweiten Band wird’s dreckig. Die Niedersachsen von Drone ballern ein paar ausgewachsene Thrash-Breitseiten ins Publikum, das sich nun immer mehr dem Zweck seines Besuchs besinnt: Nämlich feiern. Und das geht am besten mit viel Musik (ok und mit viel Bier). Die Ansagen von Sänger Mutz bedienen die Erwartungen.

Bannkreis (©Stefan Bollmann)

Mit Winterstorm kommt dann wieder Kontrast in den Festivalmittwoch. Ihr Powermetal ist so etwas wie der kleinste gemeinsame Nenner, denn der Musik kann fast jeder etwas abgewinnen. Von folkigen Passagen über breite Gitarrenriffs hin zu epischen Melodien ist alles dabei, was das Herz des Epic-Pagan-Folk-Metal-Fans erfreut. Danach ein Experiment. Mit Bannkreis tritt ein noch sehr neues Bandprojekt auf die Bühne, ihre öffentlichen Auftritte kann man bislang an einer Hand abzählen, doch Subway-to-Sally-Sänger Eric Fish zieht die Neugierigen an und Sängerin Johanna Krins tut sicher auch ein Übriges. Ansonsten geht auf dem Rockharz durchaus auch Folk Rock, das zeigen ja jedes Jahr und auch noch an den weiteren Tagen diverse Bands des Genres, die hier immer gefeiert werden. Damit ist der softe Part für heute auch vorbei, mit Ross the Boss tritt ein Urgestein auf die Bühne. Ex-Manowar Ross Friedman ist seit vielen Jahren mit seiner eigenen Band unterwegs, um den Tru-Metal zu zelebrieren. Stilistisch geht das schon ein wenig in die bekannte Manowar-Schiene, jedoch ohne deren übersteigerte Männlichkeits-Theatralik. Allerdings besteht dann das gespielte Set vor allem aus Manowar-Klassikern und nur wenigen eigenen Songs. Das verwundert, hat doch Ross the Boss genug eigenes gutes Material. Aber die Fans vor der Bühne freut es. Zum Abschluss des ersten Tages gibt’s mit Kreator noch einen echten Knaller. Hier wird alles abgeräumt und auch die Zuschauermenge hat wohl dieser Band wirklich entgegen gefiebert. Ein großer Circlepit zeigt den Grad der Feierlaune bei Deutschlands Vorzeige-Thrashern an.

Donnerstag

Nothgard (©Stefan Bollmann)

Am Donnerstag, dem ersten kompletten Festivaltag, zeigt das Rockharz, dass man sich immer bemüht, musikalisch nicht zu eindimensional zu werden. Auch wenn es vor allem ein Festival für die klassischen Metal-Spielarten ist, sind immer Bands dabei, die ein wenig aus der Hauptrichtung ausbrechen. Heute wird mit Blind Channel eröffnet. Eine Art Nu-Metal mit Pop-Einflüssen. Das Ganze erinnert entfernt vielleicht etwas an Linkin Park. Die Band selbst nennt ihren Stil denn auch Violent Pop. Originelle Einordnung, aber ob sich das als Genrebezeichnung durchsetzt, ist wohl zweifelhaft. Niedlich auch das einheitlich weiße Bühnenoutfit. Corporate Identity wird also groß geschrieben. Alles in allem ein interessanter Act, auch wenn er sicher nicht jedem gefällt. Neugierige vor der Bühne gab es trotzdem recht viele. Cellar Darling, die wohl die Vormittagsslots dieser Welt gebucht haben, treten wie auf anderen Festivals auch hier als eine der ersten Bands auf. Die Ex-Eluveitie-Musiker um Anna Murphy sind dem Folk Metal treu geblieben und vereinen Drehleier und E-Gitarre. Weiter geht’s mit Nothgard, dem Projekt des Equilibrium-Gitarristen Dom Crey mit recht schnellem und druckvollen Melodic Death.

Skálmöld (©Stefan Bollmann)

Danach schnell wieder von der Dark Stage zur Rock Stage gewechselt, denn mit Skálmöld spielt Islands derzeitig heißester Metal-Export auf. Die fünf sind äußerst gut gelaunt (aber Auftritte, wo dies anders war, hab ich noch keine erlebt) und freuen sich sichtlich, ihren Folk Metal unters Volk zu bringen und gemeinsam mit der vor der Bühne versammelten Menge zu feiern. Diablo Blvd dagegen haben es schwerer, die Massen zu begeistern, offenbar gönnen sich doch einige nach Skálmöld erst einmal eine Pause. Zum Beispiel im Mutantenstadl genannten Biergarten, der in diesem Jahr nahezu riesige Ausmaße angenommen hat. Wo vor Jahren Sitzplätze heiß begehrt waren, hat sich die Lage mittlerweile stark entspannt. Rustikal grobe Holzbänke stehen nun in Größenordnungen zur Verfügung, dass jeder hier Platz findet. Ein Biergarten der Superlative.

gemütliches Mutantenstadl (©Stefan Bollmann)

Weiter geht’s mit den Grailknights. Die erste von mehreren echten Party-Metal-Bands auf dem Rockharz. Mit ihren Superhelden-Kostümen führen sie quasi eine Art Metal-Musical samt Handlung, zu besiegenden Gegnern und dem Publikum als Battle Choir auf. Großartig! Jetzt ist es auch wieder voll vor der Bühne. Zum Aufwischen gibt’s danach mit God Dethroned einen niederländischen Death-Klassiker. Frontmann und einzig konstantes Mitglied Henri Sattler bringt seine Songs mit gebotener Aggressivität vor. Die Zuschauer sind sowohl zahlreich als auch beeindruckt.

Grailknights (©Stefan Bollmann)

Jetzt ist Zeit für einen Cut. Mit der Letzten Instanz fährt das Rockharz wieder in ruhigeres Fahrwasser. Zeit zum Durchatmen. Die Band gehört zu den immer wieder gern gesehenen Gästen und wird auch in diesem Jahr wieder groß gefeiert. Dabei feiern sie selbst, nämlich ihr 20jähriges Bandbestehen. Zufrieden rücken die Zuschauer nach dem Auftritt wieder zur anderen Bühne. Nun geht es wieder hart weiter. Primal Fear mit ihrer Mischung aus Speed und Power Metal zünden die Massen an. Frontmann Ralf Scheepers zeigt wie immer eine mächtige Bühnenpräsenz. Dazu tragen sicher auch seine Muckibude-gestählten Oberarme bei. Hauptsächlich, und das muss man fairerweise sagen, liegt es aber an seiner Stimme, mit der er die Songs über das Publikum hinweg schmettert. Es folgen die Publikumslieblinge Equilibrium, die eine noch größere Menge als Primal Fear anziehen. Von einem guten Auftritt wird leider vor allem das missglückte Ende in Erinnerung bleiben. Nach dem Ende des Slots einfach noch weitersingen, kommt auf einem eng getakteten Festival nicht gut an. Saft weg, Mikro aus, deutliche Ansage. Nächste Band. Und das ist Sodom. Die lässt man nicht warten. Auch wenn Onkel Tom das Line-Up vor nicht allzu langer Zeit komplett erneuert hat, klingt Sodom natürlich noch exakt wie Sodom. Die Klassiker werden ins Publikum geschmettert und selbst beim so oft gehörten Bombenhagel singt die feiernde Masse begeistert zurück.

Powerwolf (©Stefan Bollmann)

Jetzt wird’s finnisch. Mit Amorphis kommt schon der nächste Liebling auf die Bühne. Die Vieltourer haben kürzlich erst ein neues Album veröffentlicht. Aus Queen of Time wird dann aber nur sehr wenig gespielt. Es ist aber auch eine Krux: Mit Jahrzehnten Bandgeschichte und dreizehn Studioalben im Rücken hat man einfach eine so große Auswahl an bekannten und beim Publikum beliebten Songs, dass nur wenig Platz für neues bleibt. Und schon ist die Spielzeit wieder vorbei. Die Folk-Rocker von Schandmaul lassen die Zuschauermenge wieder etwas besinnlicher werden. Auch diese Band wird immer wieder gerne auf das Rockharz eingeladen und entsprechend vom Publikum gefeiert. Auf einem Festival, das einst als Rock gegen Rechts startete, darf der Song Bunt statt braun natürlich nicht fehlen. Doch nun ist es dunkel und der Höhepunkt des Tages kommt. Mit Powerwolf ist eine der derzeit angesagtesten deutschen Metal-Bands wieder einmal auf dem Rockharz. Die Band bietet eine ausgefeilte Show, in der jede Pose, jeder Flammenstoß und jeder Refrain sitzt. Mit ihrer Mischung aus Werwolf und Blasphemie, eingepackt in eine beeindruckende Show, haben sie sich in den letzten 14 Jahren eine gewaltige Fanbase erschaffen. An der Headliner-Position sind sie also goldrichtig. Und es ist ein echtes Spektakel, ihrer Show zuzusehen. Bleiben nur noch Mr. Hurley & die Pulveraffen, um danach den Boden aufzuwischen. Ha! Weit gefehlt. Der After-Headliner-Slot wird von den vier musizierenden Piraten nicht alleine in Beschlag genommen. Die feierwütige Menge lässt sich quasi nahtlos vom Powerwolf-Konzert herüberlotsen und grölt und schunkelt begeistert mit. Die Entscheidung, die Band nach dem letzten Jahr schon in diesem Jahr wieder zu holen, erweist sich somit als richtig.

Freitag

The Other (©Stefan Bollmann)

Am Freitag spielen die Opener I’ll be Damned vor fast leeren Reihen. Die Party mit und nach Mr. Hurley in der letzten Nacht ging wohl doch etwas länger … Macht nichts, es folgen Aeverium mit Metal/Industrial Crossover und dann die seltsamen Italiener von Nanowar of Steel. Parodie bis an der Schmerzgrenze. Das fängt schon beim Namen an. Als sich vor Jahren Rhapsodie in Rhapsodie of Fire umbenannten, ließen Nanowar nicht lange auf sich warten: Geboren waren Nanowar of Steel. Mit ähnlichem Humor geht es auf der Bühne in bunten Kostümen zur Sache. Obscurity hingegen sind gar nicht obskur, sondern spielen Melodic Death. Eine große Fanschar freut sich auf den Auftritt und singt Bandklassiker wie 793 und Bergischer Hammer mit. Mit Annisokay kommt ein Lokalmatador auf die Bühne. Die Hallenser Metalcorer sind aber durchaus international erfolgreich und ziehen viel Publikum an. Eine von Europas bekannteste Horrorpunk-Bands zelebriert mit schickem Bühnenoutfit ihre Musik. The Other are in town! Die Musik geht zackig von der Bühne in die Beine, da bleibt keiner gelangweilt stehen. Danach Evergrey aus Göteborg mit Progressive Metal, gefolgt von den Gothic-Rockern Crematory. Die Band, die wohl die meisten Schlagzeilen in letzter Zeit nicht mit dem aktuellen Album , sondern eher mit dem etwas ungünstig vorgebrachten Hinweis auf (durch die Verbreitung von Streaming-angeboten) allgemein stark gesunkene Einnahmen durch Plattenverkäufe gemacht hat, konnte das Publikum dann doch davon überzeugen, dass sie doch ganz dufte sind und lieferten einen professionellen, guten Auftritt ab. Eigentlich mögen wir Crematory doch alle!

Alestorm (©Stefan Bollmann)

Amaranthe leisten sich gleich zwei Sänger und eine Sängerin. Zu dritt mit Mikros auf der Bühne unterwegs ist dort oben also ordentlich was los. Nach den schwedischen Melodic Death Metallern bleibt es skandinavisch. Battle Beast sorgt für noch mehr Partystimmung. Die Menge, die sich vor der Dark Stage versammelt hat, ist aber auch beachtlich. Es zeigt, wie viele Fans die Band hat. Das Set wird begeistert aufgenommen, die Energie der Musiker auf der Bühne überträgt sich nahtlos aufs Publikum. Die Band darf etwas länger spielen, weil der Spielplan wegen einer Verspätung von Ensiferum geändert wird. Kein Problem, Material haben die Finnen genug. Ähnlich ergeht es auch den folgenden Finntroll. Auch hier ergeben Spielfreude pur und fröhliches Mitfeiern im Publikum eine Einheit. Danach Bierpause. Und zwar genau vor Alestorm. Sowas kann man sich nicht ausdenken! Da kann sich ja jeder noch einmal mit einer Hopfenkaltschale eindecken, ehe die Party-Metal-Band des Freitags auftritt. Die Schotten gehören zu den absoluten Publikumslieblingen auf dem Rockharz und sind zum wiederholten Male hier. Auch in diesem Jahr ist der Auftritt eine einzige Party. Mitsamt riesigem aufblasbaren Einhorn und ebensolcher Gummiente. Bei Schunkel-Hits wie Mexico bleibt kein Barthaar trocken.

HammerFall (©Stefan Bollmann)

Schlagartig ernster wird es dann mit Eisbrecher. Die ganz auf Sänger Alexx (im TV auch als “Der Checker“ unterwegs) zugeschnittene Show der Münchner findet gewohnt viele Fans, die sich zu Recht auf den Auftritt gefreut haben. Danach zünden HammerFall eine bombastische Metal-Show mit Pyros und Knallern. Wobei ihre Musik selbst schon ein Knaller ist. Und auch ordentliches Posing gehört zum Powermetal wie Bier ins Glas und auch da lassen sich die Schweden nicht die Butter vom Brot nehmen. Danach wird es mit Versengold wieder folkig. Die Bremer wissen ihr Publikum zu unterhalten und so reißt die gute Stimmung nicht ab. Jetzt ist endlich Zeit für Ensiferum, die in all dem Stress durch einen verschobenen Flug ihre Spielfreude nicht verloren haben, sondern volle Kanne loslegen. Das Publikum hat natürlich auf die Band gewartet und feiert zahlreich mit. Zum Schluss des Tages geben Eisregen ihren makabren Düster-Metal zum Besten. Eigentlich ganz passend, das auf den Schluss in der dunklen Nacht zu legen.

Samstag

Skyclad (©Stefan Bollmann)

Der letzte Tag lässt keine Ausreden zu: Wer zum Rockharz kommt, der muss auch vier Tage feiern durchhalten. Alles andere ist Kindergarten. Wobei man da gleich von der festivaleigenen Kinderbetreuung erzählen kann. In Kooperation mit einem regionalen Anbieter ist es tatsächlich möglich, dem eigenen Nachwuchs, der sich ja nicht den ganzen Tag vor der Bühne langweilen soll – ganz abgesehen von der Lautstärke, die für empfindliche Ohren im Wachstum gefährlich ist und dort bleibende Schäden hinterlassen kann – ein abwechslungsreiches Programm zu bieten. Naturerkundungen, kleine Wanderungen, Mal- und Bastelstunden und so weiter sind stundenweise möglich. Ein wirklich großartiges Angebot! Ein anderes Angebot, nämlich aufzuwachen und weiter zu feiern, machen indessen Walking Dead on Broadway, gefolgt von Erdling, die mit ihrem Dark Rock schon einige Frühaufsteher begeistern können. Der Funeral Doom von Ahab hingegen ist natürlich eine harte Probe, lässt sich bei diesen extrem langsamen Klängen doch so gar nicht so recht feiern. Bei Serenitys Progressive Metal tauen die Zuschauer jedoch wieder auf. Das erste historisch bedeutsame Highlight an diesem Tag ist der Auftritt von Skyclad. Die Briten sind nicht nur prägend für die Herausbildung des Folk Metal gewesen. Sie waren auch schon einmal auf dem Rockharz, nämlich 2001, als es noch in Osterode stattfand und die Ausrichtung auf Metal als hauptsächlich bedientes Genre ein noch ganz neues Konzept war. So gratulieren die altgedienten Folk-Metaller nun also zur 25. Ausgabe des Rockharz mit einem eigenen, gutgelaunten Auftritt. Mit Trollfest wird’s wieder lustig. Die mit bunten Luftballons behängte Chaostruppe verbreitet Irrsinn und gute Laune mit ihrem Humppa-Folk-Metal, die auch das Publikum nicht abwehren kann. Hat es aber auch gar nicht versucht, sondern vom ersten Song an wurde lauthals mitgefeiert. Das ist die reinste Party.

Gloryhammer (©Stefan Bollmann)

Mit Avatarium wird es wieder ernster, denn die Band will die Zuschauer nicht mit Nonsense umarmen, sondern bringt klassischen Doom-Hardrock auf die Bühne, der für sich selbst spricht. Aber die Besinnlichkeit währt nur kurz, denn am letzten Festivaltag gibt es die Party-Bands im Doppelpack. Die Rede ist von Gloryhammer, die auch wieder eine Superheldengeschichte vom Kampf gegen mythische Monster musikalisch erzählen, unterstützt von Utensilien und fiesen Gegnern auf der Bühne, die mit vereinten Kräften niedergesungen werden. Auch das trifft den Besuchergeschmack wieder voll. Die bizarr-lustige Geschichte um den fiktiven schottischen Kronprinzen Angus McFife ist aber auch schön inszeniert und in Songs eingebettet. Die Band wurde einst als Seitenprojekt von Alestorm gegründet, hat mittlerweile aber ihre ganz eigene Fanbase. Da sich die Geschichte von Angus angeblich auf 21 Konzeptalben erstrecken soll, ist also noch viel Stoff für die Zukunft vorhanden. Mit dem Auftritt von Goitzsche Front probiert das Festival wieder einmal etwas Neues aus, Deutschrock sieht man auf dem Rockharz nicht allzu oft. Aber das Experiment scheint geglückt, die große Zuschauermenge beweist es. Oder warten die etwa alle auf Exodus? Jetzt wird es nämlich ungewöhnlich hart. Zuerst die kalifornischen Thrasher von Exodus, die dem Publikum den Schädel abschrauben, dann hinterher als Nackenbrecher gleich noch Cannibal Corpse. Ein fatales Duo, das nur verbrannte Erde hinterlässt, über die dann zum Schluss noch Die Apokalyptischen Reiter galoppieren. Halleluja, das hatte es in sich. Zum Schluss des Festivals ballen sich die Extrem-Metal-Bands noch einmal richtig. Erst mit Paradise Lost kommt dann teilweise wieder etwas ruhigeres Fahrwasser, denn die Männer um nick Holmes spielen auch ältere Stücke aus der von manchen fast schon als poppig angesehenen Host- und Symbol of Life-Ära.

Knorkator (©Stefan Bollmann)

Und dann kommt der komplette Party-Abriss mit der meisten Band der Welt. Da nicht jeder so kompromisslos verrückt sein kann wie Stumpen, Alf Ator und Buzz Dee, geht man eben zu einem Knorkator-Konzert und delegiert diese Aufgabe an die Band. Und die bekommt es wie immer großartig hin, Blödsinn mit Party zu verbinden und dabei noch exzellent zu unterhalten. Das ganze Rockharz ist vor der Bühne versammelt und rastet auf positive Weise aus. Mehr Party geht nicht. Deshalb kommt nun auch In Flames und rocken die Hütte nach Göteborger Art. Das heißt, mit Melodic Death aus Großmeisterhand. Und was Powerwolf mit Pyroeffekten macht, bekommt In Flames stattdessen mit einer ausgefeilten Lichtshow hin. Optisch ebenso beeindruckend wie musikalisch! Den Rausschmeißer zum Ende machen Manntra, eine junge kroatische Folk-Metal-Band, teilweise werden sie von Micha Rein von In Extremo unterstützt und auch sie treffen noch auf ein gut gelauntes Publikum, das noch gar nicht so recht aufhören will. Nach vier Tagen Dauerparty ist es dann auch schwer, aufzuhören. Aber keine Sorge, nächstes Jahr gibt’s das 26. Rockharz und auch dann wird es wieder jede Menge großartiger Bands auf einem entspannten und mit knapp 20.000 Besuchern fast noch familiären Festival geben.

Wer wissen möchte, wie es nächstes Jahr weiter geht, sollte regelmäßig auf der offiziellen Seite unter www.rockharz-festival.com vorbei schauen.- Neben Bandankündigungen für 2019 gibt es zu bestimmten Zeiten auch besondere güntige Ticketangebote und Merchandise-Packs.