Autumn Moon Festival 2017 in Hameln

Zum dritten mal luden die Veranstalters des Autumn Moon Festivals die eher schwarze Szene nach Hameln ein und boten erneut ein respektables und gut durchdachtes Lineup an.

Am Konzept selbst hatten die Macher nicht viel geändert, es gab erneut vier Indoor Spielstätten aber auch den offenen herbstlichen Mittelalter-Markt mit allerlei Musik, Speisen  und weiteren Attraktionen.

PETER HEPPNER und JOACHIM WITT sind die deutschen Urgesteine der NDH bzw Synthie Pop Welle und waren 1998 vereint mit dem Mega-Song “Die Flut”. Beide nun getrennt auf das Autumn Moon einzuladen war beachtlich und bot die seltene Gelegenheit, zwei Künstler mit ihren völlig unterschiedlichen Interpretationen zu erleben.

 

Begonnen hatte das Autumn Moon am Freitag bereits am frühen Nachmittag mit der Rammstein Coverband HERZLEID. Die Probleme im letzten Jahr mit der Bändchenausgabe waren dieses Jahr gelöst und so war die Rattenfänger-Halle gut gefüllt als HERZLEID mit gekonnter Pyrotechnik das Festival startete.

Die Umbaupausen in der Rattenfängerhalle betragen 45 min und so wird in der Regel die Halle zwischen den Auftritten verlassen und jede weitere Band muss sich quasi ihr Publikum neu erobern. Das war aber kein Problem für die folgenden Bands CELTICA PIPES ROCK und FADERHEAD bis dann schließlich der Auftritt von JOACHIM WITT anstand.

WITT, Jahrgang 1949, erschien mit unglaublicher Präsenz auf der Bühne. Das offene lange weiße Haar und sein ebenso weisser Bart geben ihm ein charismatisches Äußeres und WITT wurde besonders von den treuen Fans in den ersten Reihen bejubelt. Allerdings – und das war verstörend für viele andere Zuhörer – nutze WITT die Pausen zwischen den einzelnen Songs ergiebig zur eigenen Performance. Das Licht in der Halle wurde jedes mal angeschaltet und WITT trug Nachdenkliches, Banales aber auch Lustiges vor. So war es schwer die Stimmung der Songs (WIIT startet mit ‘Thorn’) als einen zusammenhängenden Genuss zu erleben. Als dann bei ‘Das geht so tief’ der Strom der Band ausfiel fühlte sich WITT erst recht gefordert und rief etwas ironisch aus: “Ist mir scheiss egal, rede ich einfach länger!” Natürlich kein Auftritt von WITT ohne ‘’Die Flut’ und ‘Der goldene Reiter’,  Songs die WITT gekonnt kraftvoll ablieferte.

Mit der Band FRONT 242 endete der erste Festivaltag in Rattenfänger-Halle.

Das Autumn Moon Festival lebt viel von der Atmosphäre draussen auf dem Mittelalterlichen Markt der sich weitläufig zwischen Rattenfänger-Halle und Weserpromenade verteilt. Offen für jedermann spielten dort Musikgruppen mit oft erstaunlicher Begeisterung. Neben WALDKAUZ aus dem nahen Hildesheim faszinierte dieses Jahr besonders die in Weißrussland sehr populäre Gruppe IRDORATH. “Wisst ihr wie lange man von Weißrussland nach Deutschland braucht?” fragte Sängerin Nadezhda und antwortete selbst “25 Stunden – aber wir sind voller Energie! “ Leisere Töne vernahm man von Michelle Ailjets und ihren musikalischen Freunden. Ja man musste sich schon etwas Zeit nehmen und genau hinhören, war aber dann von der besonderen Stimmung schnell eingefangen.

Der Auftritt der Band [X]-RX am Samstagnachmittag in der Rattenfänger-Halle war ein beachtlicher Auftakt zum Abtanzen.

Mit “Steh auf, komm mit wir sind der Wellenschlag im Meer” aus dem Song ‘Steh auf’ begannen LETZTE INSTANZ ihren Auftritt beim Autumn Moon und Sänger Holly Loose nahm das Publikum mit seiner eindringlichen Performance in seinen Bann.

Spektakulär auch der der Beginn von SUICIDE COMMANDO, Sänger Johan Van Roy erschien düster und schwarz gekleidet mit langem Spitzhut zum Song ‘The gates of oblivion’.

Ruhiger und melodischer dann der Auftritt von FAUN – wieder vereint mit Stephan Groth – bis schließlich PETER HEPPNER die Bühne betrat.

HEPPNER ist in vielem der Gegenentwurf zu JOACHIM WITT. Da wo WITT die Pausen exzessiv nutzt tritt HEPPNER lediglich zwei Schritte zurück vom Mikrophon. Da wo WITT stark und impulsiv ist, ist HEPPNER ruhig, fast melancholisch und zurückhaltend. Musikalisch wurden beide von hervorragenden Musikern begleitet, der Sound war perfekt und sauber abgemischt. Dennoch mochte auch bei HEPPNER der Funke nicht bei jedem überspringen. Vieles wirkte dann doch zu sehr an den Inhalt orientiert, HEPPNER hatte extra einen Notenständer für die Texte mitgebracht. Dennoch beachtlich das Repertoire welches HEPPNER vortrug, über ‘I won’t give up’, ‘Meine Welt’, ‘I feel you’, ‘Wir sind wir’ und schließlich “Die Flut’ brachte HEPPNER das breite Spektrum seiner Erfolge.

Mit INVSN endet schließlich das Festival in der Rattenfänger-Halle.

Autumn Moon hat auch 2017 insgesamt einen positiven Eindruck hinterlassen, es gibt auch wenig was zu verbessern wäre. Die Investitionen der Veranstalter sind sicherlich enorm, ob das Festival in Zukunft in der gleichen beachtlichen musikalischen Qualität erhalten bleiben kann wäre sicher wünschenswert muss sich letztendlich ja aber auch wirtschaftlich tragen.